Wenn die Flakgeschütze schießen, dann weiß man: Es ist wieder soweit! Eines der größten Extrem – Metal – Festivals beginnt – das 24. Party.San Open Air. Ich wurde dieses Jahr zum fünften Mal dort vorstellig und wie vielen anderen Besucher ist mir ebenfalls klar, dass noch weitere Party.San – Festivalbändchen an meinem Handgelenk Platz finden werden. Denn ein jeder Anhänger des extremen Metals wird hier glücklich: faire Preise, entspannte Leute und um die 50 Death/Black/Thrash/Grind – Bands, die einem ordentlich Lärm auf die Löffel geben. Das dreitägige Festival vom 09. – 11.08. fand wie auch die letzten Jahre auf dem Flugplatz Obermehler bei Schlotheim in Thüringen statt, sodass unserem eingeschworenen Party.San – Grüppchen das Gelände wie immer vertraut war.
Eine Änderung trat jedoch für mich persönlich ein – dieses Jahr wurde mir die Aufgabe zuteil, eine Review zu verfassen, weshalb ich mit einem kleinem Block und Stift bewaffnet einige Male das Headbangen und Biertrinken einstellte, um die ein oder andere Notiz zu verfassen, welche mir helfen sollten, diesen Bericht zu verfassen. Leider hab ich als einzelner Review – Mensch nicht alle Bands sehen können und meine Auffassung einiger Kapellen ist natürlich durchaus subjektiv, aber wie schon einige Philosophen sagten…wat soll´s. Für diejenigen, die das Party.San noch nie besucht haben sei im Vorfeld noch erwähnt, dass es zwei Bühnen gibt – die Hauptbühne und eine Zeltbühne, auf welcher täglich ab ca. 17 Uhr einige Undergroundbands zu sehen und hören sind, die es sich durchaus anzuschauen lohnt! Aber genug Vorgeplänkel…nun soll es endlich um das Wichtigste gehen – die Bands!
Donnerstag
Dieses Jahr eröffneten Our Survival Depends On Us das Party.San und ich bin fast schon stolz darauf, dass wir es auch dieses Jahr schafften, eine altbewährte Tradition aufrechtzuerhalten: Die erste Band zu verpassen. Dafür freute ich mich umso mehr auf die zweite Truppe, nämlich Gruesome unter Matt Harvey (Exhumed). Nachdem ich sie 2016 leider verpasste, war ich sehr erfreut, sie dieses Jahr endlich gesehen zu haben. Als begeisterter Anhänger von Chuck Schuldiner, den ich nie live sehen konnte, war es mir ein inneres Fußbad, einer derart guten Tributeband zu lauschen. Zusammenfassen kann man das komplette Konzert am besten mit einer Ansage Matt Harveys (und der Notizblock bewährt sich): „We are all here, ´cause we are DEATH fans, right? So if we are here, Chuck is here!“ – und genauso fühlte es sich an. Spätestens bei Songs wie „A Waste of Life“ ihrer neuen Platte Twisted Prayers und allem voran einem abschließenden, mitreißenden Cover von „Pull The Plug“ kam es zu flächendeckender Gänsehaut. Ich ziehe meinen Scheitel; Chuck wäre stolz auf euch!
Anschließend traten – und das seit langem – Unanimated wieder auf. Neun Jahre hörte man quasi nix von ihnen, bis sie dieses Jahr eine Reunion – Show auf dem Party.San gaben. Dementsprechend enthusiastisch war auch die Stimmung vor der Bühne, als sie alte Schinken wie „Through the Gates“ rausholten. Die Atmosphäre des Konzerts wäre später am Tag wahrscheinlich noch besser zur Geltung gekommen, aber nichts desto trotz war es sehenswert!
Was dann kam, war für alle Beteiligten, sagen wir „unschön“. Oder noch besser – Unwetterwarnung Stufe 3, was eine Räumung des gesamten Festivalgeländes zur Folge hatte. Also ab zum Zelt, um festzustellen, dass der Sturm unseren Pavillion zerbastelte (falls jemand schon meinen Protzenbericht las, dürfte dieser allmählich ein Muster erkennen). Doch dieses Schicksal teilten wir mit fast allen Besuchern. Nach nur einer Stunde durfte der Festivalground wieder betreten werden, da die unermüdlichen Arbeiter, ohne die so eine Veranstaltung gar nicht stattfinden könnte, alles sicherten, was es zu sichern galt, sodass ein weiterer Ablauf reibungslos vonstatten ging. Dafür ein dickes Dankeschön und unseren Respekt!
Wir verpassten allerdings dadurch Dead Congregation sowie Grim Van Doom – welche die Zeltbühne eröffneten. Erst gegen Ende des Anaal Nathrakh Konzertes verschlug es uns wieder vor die Bühne. Offensichtlich war die Zuhörerschaft angetan, von dem, was sie dort zu hören bekam. Ich persönlich bin von ihrem Stil nur teilweise angetan und hätte sie gern länger erlebt, um zu sagen wie es live auf mich wirkt, aber dafür war der Eindruck leider zu kurz.
Im Zelt tobten derweil Gutrectomy. Grindcore, der bewegt – so soll es sein. Vom Wetter offensichtlich unbeeindruckt verbuchten einige Mosher den Sturm wohl als lächerlich, kamen pünktlich zum Köpfeschütteln ins Undergroundzelt und es schien, als kämen sie auf ihre Kosten!
Ich trat allerdings schon früher aus dem Zelt und vor die Hauptbühne, um Toxic Holocaust zu sehen, da ich sie schon einmal Wetterbedingt verpasste, welch Ironie. Kaum fingen die Musiker um Joel Grind an zu spielen, sah man die ersten gen Himmel gestreckten Fäuste, die gefühlt auch während des gesamten Konzerts oben blieben. Kein Wunder, dass es nicht lang dauerte, bis die ersten Fans gar nicht mehr aufhören konnten, mitzubangen.
Zwischen den ganzen Leuten, die man dort jedes Jahr wiedertrifft oder neu kennenlernt, schaffte ich es dann trotzdem nochmal ins Zelt zu Evil Warriors, als sie das Ende des Konzerts ankündigten. Hier ein sinngemäßer Dialog mit einem meiner Begleiter, Onkel Z. Ich: „Klingt ja ganz cool. Wie war´s bis jetzt?“ Onkel Z: „Schreib auf, dass die böse sind. Cool.“ Anhand des letzten Songs, den ich noch gesehen habe, kann ich das mit einer Zustimmungsfloskel nur unterstützen.
Draußen gab´s dann gehörig eins auf´s Mützchen, als Revenge die Hauptbühne betraten. Ich muss gestehen, dass mich ihr Black/Death – Geknüppel vom feinsten nicht wirklich mitgerissen hat. Nach dem ersten Titel gab es keine Überraschung mehr, es ging polternd geradewegs nach vorn. Von anderen Anwesenden hörte ich ebenfalls derartige Einschätzungen. Ich sag mal so: Oppa hätte es Krach genannt.
Im Zelt dagegen kehrten die ägyptischen Crescent ein und nahmen mich mit ihrem atmosphärischen Black/Death eher mit. Es war ohne Frage ein cooles Konzert, auch wenn ich es nicht unbedingt zu meinen Highlights zählen würde. Deshalb verließ ich auch schon etwas früher das Zelt, um mich mit ein paar bekannten Gesichtern zu unterhalten, bevor Masters Hammer anfangen sollte. Jedoch haben sie offenkundig kurzfristig mit dem Headliner getauscht – die Erklärung dafür zog irgendwie an mir vorbei. Jedenfalls spielten nun erst Emperor, die auf dem Party.San ihr einziges Deutschlandkonzert in diesem Jahr gaben. Im Vergleich zu den anderen Black Metal Bands auf dem Festivals sahen sie gar nicht mal so sehr nach Bosheit aus, was ihnen aber keinesfalls im Wege stand. Allein die Dunkelheit in Verbindung mit ihrem atmosphärischen Stil war ein Erlebnis für sich und die Setlist hätte in meinen Augen kaum besser sein können, vor allem, weil sie meine Lieblingssongs „The Loss and Curse of Reverence“ sowie „Ensorcelled by Khaos“ spielten. Nicht nur ich war fleißig am Mitmachen und genoss das Konzert in vollen Zügen!
Eine Pause wollte ich mir trotzdem nicht gönnen, da nun der Zeltheadliner Endseeker über die Bühne fegte. Das war nun mein zweites Endseekerkonzert und es war wieder ein absolutes Brett. Mehr kann und muss man dazu auch nicht sagen. Nach eigenen Angaben freuten sie sich, da sein zu dürfen und diese Freude kann ich nur erwidern. Definitiv zu Recht der zu krönende Abschluss des Zeltkrachs am ersten Tag!
Völlig fertig vom ganzen Mitgemache und Rumgelaufe begab ich mich dann natürlich zu Masters Hammer, die nun auch endlich den Weg auf die Bühne fanden. Irgendwie kam es mir leerer vor als bei Emperor, aber das hat ja erstmal nichts zu heißen. Denn des Meisters Hammer lieferten ein cooles Konzert ab, was den kompletten Tag dann auch rund machte!
Leider muss ich sagen, dass der seit Donnerstagnachmittag immer wieder aufkommende Wind einigen Leuten, die weiter weg von der Bühne standen (nicht nur am Donnerstag) den Sound versaute. Das kann man natürlich nicht ändern – when nature strikes we all shall drown. Doch direkt vor der Bühne, wo mein Stammplatz bei so gut wie jedem Konzert ist, war alles in bester Ordnung und wenn man eine Band mit astreinem Sound erleben wollte, funktionierte das weiter vorn so gut wie immer!
Sonnabend
Wenn der Hahn kräht, man zum ersten Bier greift und plötzlich wieder auf den Geschmack kommt, kann man sonnabends wie jedes Jahr zum Frühschoppen ins Undergroundzelt gehen, wo man nebenher von Gorilla Monsoon beschallt wurde, die die noch recht steif wirkenden, durchgepeitschten Leiber wachzuspielen versuchten und das auch schafften. Ehe man sich versah schlug die Uhr auch wieder 12 – Grindcorezeit! Heute eröffneten die schwedischen Razorrape den Moshpit – der Name ist Programm. Mit bezaubernden Liedchen wie „Diarrhea Bucket“ oder „Vomit drenched in Mucus“, nach denen stets die Frage „Are you drunk yet?“ in den offenen Raum gestellt wurde, heizten sie ordentlich ein, sodass auch der Letzte bereit war für den finalen Tag.
Graveyard aus Spanien kamen als nächstes auf die Bühne und prügelten mit gescheitem Death Metal auf unsere Ohren ein. Leider waren wir etwas abgelenkt zu der Zeit, da wir uns mit Shirts eindeckten und Nahrungsaufnahme betrieben. Dann kam das erste Highlight – Wolfheart unter Tuomas Saukkonen (ex –BEFORE THE DAWN etc.). Wuchtig von der ersten bis zur letzten Minute knallte der melodische Death Metal einem um die Lauscher – an der Stelle muss Respekt für den Drummer ausgesprochen werden, der einen großartigen Job ablieferte. Außerdem kam es noch zu einer Prämiere, denn wir wurden als erstes Publikum im Universum – direkt nachdem wir mit „Hey Rockharz“ begrüßt worden sind – Zeuge des ersten neuen Songs „Breakwater“ des wohl bald erscheinenden Albums. Ich möchte der Leserschaft jedoch auf keinen Fall die Ansage Tuomas´ zu jenem Stück vorenthalten: „It´s the first time we play it live, so there is a huge chance we fuck it up. We appreciate it, if you don´t put it on Youtube. Thank you.“
Im Anschluss spielten Harakiri for the Sky, die beim Publikum sehr gut ankamen, auch wenn ich mich nicht wirklich für sie begeistern konnte. Aber was ist schon eine einzelne Meinung gegen die vieler begeisterter Mosher. Der Sound war gut, die Show war gut, alles in allem rund, aber nicht mein Fall.
Hm…lange keinen Black Metal mehr gehört...ah, da sind ja schon Carpathian Forest! Und ganz ehrlich – was ist schon ein Black Metal Konzert ohne ein paar anständige „Ugh“ – Rufe gen Publikum. Auch sie haben es geschafft, den Platz schon relativ früh zu füllen und eine hohe Mitmachquote zu erzielen, auch wenn die Stimme von Nattefrost Geschmackssache ist. Gut, was ist das nicht.
Zu Exciter kam ich zu spät, aber zu dem, was ich gesehen habe, kann ich nur das bei Venom Gesagte wiederholen. Ich bin mit ihnen, im Gegensatz zu vielen der begeisterten und mitgrölenden Fans, nicht aufgewachsen und kann damit aus diesem Grunde nicht viel anfangen. Eine Truppe, die ich allerdings seit Anbeginn mit verfolge, sind die Polen von Hierophant, die mal eben die Zeltbühne zu zerlegen versuchten. Dementsprechend war dann auch der Gig, auch wenn es zwischen Songs immer ein obskures Zwischenspiel vom Band gab, was mich irgendwann ziemlich nervte. Abgesehen davon war es ein solides Konzert.
Auf der Hauptbühne ging es direkt weiter. Sadistic Intent kamen um die Ecke, allerdings verpasste ich den Auftritt größtenteils. Was ich sah war ziemlich umwerfend und schien immer besser zu werden. Vielleicht gibt es ja noch eine Chance, das Verpasste nachzuholen. Im Zelt gab´s im Anschluss Engulfed. Ich dachte ja, Hierophant wären fix unterwegs, aber Engulfed haben da nochmal ´ne Schippe raufgelegt. Dass das Zelt überhaupt noch steht, ist fast schon ein Wunder. Ohne Pause ging´s dann auf der Hauptbühne mit den legendären Pestilence weiter, denen es irgendwie an Bühnenpräsenz mangelte, jedenfalls erwartete ich mehr. Davon abgesehen rissen sie ein unfassbar gutes Set ab, mit alten Songs wie „Land of Tears“, aber auch „Out of the Body“ und „Chronic Infection“, die ohne Martin van Drunen natürlich nicht dasselbe sind, live jedoch extrem zum Mitbangen anregten. Alles in allem: Eines meiner Highlights.
Nach einem weiteren coolen und moshbarem Gig im Zelt, der von Obscenity abgeliefert worden ist, gab es ein düsteres Fest, als Tribulation die Bühne betraten. Trotz ihrer Präsenz und der offensichtlich gut ankommenden Songs, wollte es mich nicht wirklich mitreißen. Dafür waren offenbar viele andere ziemlich begeistert – absolut verständlich, auch wenn kein Tribulationalbum bei mir bleibenden Eindruck hinterließ.
Essenz habe ich dann auch direkt verpasst und Brujeria größtenteils selbstgewählt ignoriert. Mir ist bewusst, dass diese Band viele Leute – vor allem live – begeistert, jedoch sah ich sie schon einmal und kehrte ihnen den Rücken zu.
Die Zeltbühne wurde dann – zum letzten Mal für dieses Jahr – von Possession heimgesucht. Weniger Bühnenlicht, dafür Kerzenschein, gepaart mit garstigem Black Metal. Genau so stelle ich mir einen gelungenen Abschluss vor! Allerdings war dies nur das Ende der Zeltkonzerte. Auf die Hauptbühne traten erst einmal Tankard, die laut Gerre vorher noch nie einen Gig spielten, der durchgängig von Pyrotechnik begleitet wurde. Auch einige Songs in ihrer Setlist waren neu, trotzdem fehlten „Zombie Attack“ oder „Empty Tankard“ natürlich nicht, die sämtliche verbrauchte Leiber vor der Bühne noch einmal zum Durchdrehen (im Rahmen der noch verbliebenen Möglichkeiten) anregten.
Eine letzte, ziemlich ansehnliche Show, lieferte der finale Headliner Watain, die schon öfter zu Gast waren. Mit viel Feuer, viel Deko und bösartiger Musik, ließen sie die Fans begeisternd das Party.San 2018 ausklingen. Leider musste Eric Danielsson zwischendurch anmerken, dass das Publikum doch recht träge wirkte. Nichts desto trotz hatten sie die noch vor der Bühne Verblienen auf ihrer Seite, wenn auch hauptsächlich innerlich.
So geht ein weiteres, überaus gelungenes Festival zu Ende…mein persönlicher Favorit bleibt The Spirit mit ihrem umwerfenden Konzert und ihrer aus meiner Sicht unfassbar guten Musik. Das Einzige, was ich noch sagen kann: Bis zum nächsten Jahr, Party.San!!!
Jannik Jaster









