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Die Kassierer

20.01.2018 M.A.U. Club Rostock

 

Heute versuche ich mal etwas völlig Anderes. Ich begebe mich in die Universitätsstadt Rostock, in der sich vier Herren angekündigt haben, um über die Physik zu sprechen. So immerhin der Name ihrer letzten Arbeit. Ich fahre also in Begleitung eines anderen Physikinteressenten nach Rostock. Auf der Fahrt dahin vertiefen wir uns in Gespräche, warum uns ein Herr Kampfgarten, namentlich, als Physiker noch nicht untergekommen ist. Oder warum sich ein Liebhaber der Naturwissenschaften „Wölfi“ nennt. Egal, solange die Herren etwas beizutragen haben und uns erhellen können, sind wir gewillt zuzuhören und zu lernen!

Die Ankunft am M.A.U. Club lässt uns das erste Mal stutzig werden. Keine Menschenseele weit und breit. Sollten wir einem Irrtum aufgesessen sein und haben uns gar im Datum geirrt?! Während wir draußen die Zeit abbummeln kommen uns zwei junge Leute entgegen, die sich bei uns über die Veranstaltung einer Rockformation Namens Die Kassierer informieren. Als wir, beeindruckt von den verrückten Frisuren und der männlichen Erscheinung der beiden zustimmend nicken, ahnten wir nicht was auf uns da noch zukommen würde. Fast pünktlich um kurz nach 20 Uhr ist nun Einlass. Und all diese Leute, die eher nach Punk, Metal oder sonst irgendeiner untergrundigen Musikrichtung aussehen, wollen wohl ebenso zu dem Vortrag wie wir. Seltsam aber mir soll es recht sein, solange wir noch einen Platz bekommen und die ganzen Typen nicht schwätzen während der Veranstaltung. Um nicht dem Spot anheimzufallen, holen auch wir uns ein Bier und tuen es den anderen gleich. Wir stehen so rum und trinken. Nippend an unseren Getränken schauen wir einigen Männern zu, wie sie vor der Bühne stehen und laut „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist!“ und „Saufen, saufen, jeden Tag nur saufen…“ brüllen.

Bevor es losgeht, betätigen sich noch ein paar Rostocker Jungs an ihren Instrumenten und wollen uns den Abend versüßen. Ihre Gruppe nennt sich Røstdøcs und sie scheinen eine Mischung aus Punk und Metal zu spielen. Flotte Gitarren paaren sich mit wummerndem Schlagzeugklang. Einzig die Stimme möchte nicht ganz passen. Der Herr, der für den Gesang verantwortlich ist, ist sehr bemüht und er arbeitet mit dem Publikum, doch leider klingt er nicht, wie soll ich sagen, dreckig genug um sich ins Klangbild seiner Mitstreiter einzufügen. Ich sehe, dass viele der Besucher vor der Bühne sind und wie wild tanzen. Einen Liedtext konnte ich mir merken. Er handelte davon, dass es wohl sehr amüsant wäre den ganzen Tag nur Party zu feiern und das sehr hart.

Nach den Røstdøcs wird es immer lauter im Veranstaltungssaal. Es wird gedrängelt und laut gerufen. Langsam dämmert es mir. Ich denke, wir sind einem Irrtum aufgesessen. Als die nächste Band die Bühne betritt und ihre Liedliste abarbeitet, bemerke ich wie rechts neben mir ein Anhänger der Punkbewegung, seine Hose runterlässt und sein Glied in alle Himmelsrichtungen schwingt. Dabei fiel ihm sein Bier zu Boden und bekleckerte diesen. Als er dabei war sich die Hose wieder hochzuziehen, kam eine Dame von hinten und glitt in der Bierpfütze aus. Der Punker versuchte, mit halb runtergelassener Hose und wenig Herrschaft über seinen Körper, der Dame zu helfen die sich im Bier suhlte. Dies beinhaltete eine gewisse Komik und auch ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen während ich der Dame hoch half. Das Geschehen auf der Bühne musste ich mit einem ebenso freudigen Gesichtsausdruck genießen. Die Kassierer hatten optisch zwar kaum etwas zu bieten als einen halb nackten Sänger und einen Schlagzeuger mit einem Handtuch auf dem Kopf, doch was sich hier für eine Stimmung aufbaute war phänomenal! Alle schienen mit einem Mal sehr gut drauf zu sein, so dass man Zwist und Uneinigkeit an diesem Abend vergebens suchte. Nach einigen Liedern hörte ich dann doch noch einen kleinen, wenn auch nur zitierten bekannten Satz aus dem Umfeld der Physik:“ Wer von der Quantentheorie nicht schockiert ist, der hat sie nicht verstanden". Dieses Zitat wird Nils Bohr zugeschrieben und ich ahne, dass dies der einzige Physikalische „Ausrutscher“ heute Abend bleibt. Zu meiner Überraschung haben die Herren aus Wattenscheid dann doch noch etwas in diese Richtung zu bieten. Das darauffolgende Lied nennt sich Quantenphysik und wartet mit dem wirklich durchdachten Text „Quantenphysik auhuu…“ auf. Der Rest der Darbietung verschwindet in Witzen um das männliche Geschlechtsteil, viel Alkohol und dem wilden Pogo Tanz der Leute im vorderen Viertel des Clubs. Wirklich auffällig ist der Versuch eines erwachsenen Mannes, auf der Bühne seinen Kopf in den Hintern eines anderen erwachsenen Mannes zu stecken. Hier könnte man ein physikalisches Experiment erahnen, wird jedoch schnell enttäuscht und gibt sich wieder der hypnotischen Wirkung der rhythmischen Rockmusik hin.

Am Ende des Abends fühle ich mich sehr unterhalten, beschwingt und ausgelassen. Ich trinke auf der Rückfahrt noch das ein oder andere Bier und unterhalte mich mit meiner Begleitung darüber, dass wir froh sein können dieses Konzert erlebt zu haben. Auch wenn wir wegen etwas völlig Anderem da waren…

Wie war es bei(m)...

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