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Wacken Open Air 2014

Auch 2014 geht es wieder Richtung Wacken. Was es dort alles zu erleben gab (oder auch nicht) lest ihr in den folgenden Zeilen.

MITTWOCH

Die Anreise gestaltet sich mehr als angenehm und wird dadurch begünstigt, dass ein Mitfahrer bis zum Nachmittag arbeiten muss. Dadurch ergibt es sich, dass wir erst nach 15 Uhr loskommen und somit dem Berufsverkehr in den Städten, die wir durchqueren müssen, aus dem Weg gehen. Wenn sich die Leute nach Hause quälen, fahren wir beschwingt auf der Autobahn. Der Nachteil daran ist, dass wir erst gegen 20 Uhr in Wacken ankommen und dann noch einige Zeit bei der Bändchen Ausgabe verbringen. Die Wartezeit bemisst sich aber nur auf eine Stunde und ist somit vertretbar. Dies bedeutet unterm Strich, gegen 21 Uhr wird das Zelt aufgebaut, inklusive Grill der mit feinstem Fleisch und einigen mickrigen Würstchen belegt wird. Nach dem Genuss dieser Fleischwaren geht, ausgerüstet mit Bier und guter Laune, los den Platz erkunden.

FORK

Die erste Band die ich sehe ist leider FORK. Schlechter kann es kaum kommen! Was sieht man? Zwei junge Damen die in Lack und Leder gehüllt zu seinen scheinen und drei Herren die es ihnen gleich tun. Das Auge isst mit? Weit gefehlt! Optisch eher ein Reinfall als ein Appetizer. Was hört man? Eine schlechte Van Canto Kopie. FORK eifern ihren Vorbildern nach, erreichen jedoch nicht die Qualität und sind auch von der Bühnenpräsenz eher ein Tretauto als ein Mercedes. Als Opener für mein Wacken Wochenende sehr enttäuschend aber was soll‘s, es liegen ja noch ein paar Tage und auch Bands vor mir.

Nach diesem Tiefschlag ist die Stimmung nur kurz gedrückt und so geht es weiter über das Gelände. Wie immer fällt es einem leicht mit Gleichgesinnten ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen und so verbringt man einen beschwingten Abend auf dem Platz. Viele Gespräche und zu Geproste später hat man dann auch alles gesehen und macht sich belustigt auf den Weg zum Zelt. Dort angekommen werden die Grillreste gegessen die einem dann die nötige Bettschwere verleihen um selig in die Kojen zu rutschen.

DONNERSTAG

Nach einer wirklich geruhsamen Nacht wird traditionell bei Dosenobst und Tomatenfisch, die Running Order mit den Zeltnachbarn verglichen um etwaige gemeinsame Ausflüge über das Infield zu planen. Nach besagter Planung geht’s dann 17 Uhr los mit…

Bülent Ceylan

Der Donnerstag beginnt, für mich, mit BÜLENT CEYLAN. Wie schon 2012, kann ich dem Spektakel nur wenig abgewinnen. Okay, er hat seine hellen Momente aber die Verschwendung von Zeit und Platz auf der Running Order schmerzt dann doch sehr. Herr Ceylan gibt sich redlich Mühe, eine etwas andere Show zu bieten, doch bleibt unterm Strich das Standardprogramm mit einigen Ausflügen und Einbindungen der anwesenden Szene. Es gibt den üblichen Türken-Deutscher-Kram. Angereichert mit etwas „Ich bin einer von euch!“(was er nicht müde wurde es zu erwähnen). Das Programm hätte aber auch im Zelt stattfinden können und keinen hätte es gestört.

Hammerfall

Eine Band auf die ich mich sehr gefreut hatte, war HAMMERFALL. Im Anschluss an Bülent Ceylan war es dann auch so weit. Die Schweden um Oscar Dronjak waren zurück in Wacken und hatten, ganz zu meiner Freude, ihr erstes Album „The Dragon Eyes Bleeding“ mitgebracht. In loser Reihenfolge spielten sie das ganze Album binnen ihres Sets durch. Abgesehen von diesem Bonbon, hatten sie auch noch eine Menge Gastmusiker mitgebracht, die bei den verschiedensten Songs auf die Bühne kamen. Zugegen waren Stefan Elmgren (Gitarre bei „Stone Cold“), Patrick Räfling (Drums bei „Unchained“) und zu meiner großen Freude und auch Überraschung, Jesper Strömblad (Gitarre bei „The Dragon Eyes Bleeding“). Von dieser Seite aus betrachtet, konnte nichts mehr schief gehen, dachte ich. Zu früh gefreut, der Sound hätte in der Schule höchstens ne 3 bekommen, sowie die Live Performance der Akteure. Alles war etwas schwammig und nicht druckvoll genug. Gefreut hat es einen dennoch und die Kehlen wurden rau durch den ausgelassenen Gesang vor der Bühne.

                          

Saxon

Wer zu spät kommt den bestraft das Leben! So geschehen bei SAXON. Der lange Fußmarsch zum Infield, sowie der hohe Andrang und ja, auch die auf dem Weg eingeflochtenen Gespräche mit Festivalbesuchern und Freunden, hatten zur Folge, dass ich nur noch das Ende von SAXON mitbekommen habe. Schade, aber selbst Schuld!

Accept

Die Headliner des Abends, ACCEPT, haben musikalisch wirklich alles richtig gemacht. Die Musik drückt und schiebt und der Sound überzeugt in voller Linie! Nur gibt es ansonsten nicht viel Positives zu sagen, denn die Show ist so einstudiert und unimprovisiert, dass es einem schlecht wird. Wirklich jeder Schritt wirkt wie aus einem Drehbuch und lässt einen den Gig eher als durchschnittlich empfinden. Die Songauswahl stimmt, jedoch war der Auftritt eher wie das Durchhören einer Best Of CD. Alles am Stück und ohne Interaktion mit dem Publikum. Das zweite Schade diesen Abend!

 

Der Donnerstag geht auch unspektakulär zu Ende am Zelt mit Freunden, Bier und guter Laune.

Freitag

Der Freitag lässt anfänglich auf eine Besserung des Wetters hoffen. Zu dumm das die Rufe nach Sonne dann wirklich fruchteten und man das ganze Wochenende in Selbiger gebraten wurde. Der Regenschauer vom Freitagmorgen hätte ruhig auch am Sonnabend und am Sonntag noch einmal zurückkehren können. Die Regenzeit nutzt man natürlich gut und macht sich Gedanken über das gestern Gesehene und Gehörte.

KNORKATOR

Mir egal aber mitgenommen habe ich sie trotzdem, KNORKATOR.

Beeindruckend zu sehen wie sehr sie die Menge vor der Party Stage im Griff haben. Wie gesagt bin ich kein großer Fan der Band jedoch macht es Freude ihnen zuzusehen. Bis zu einem bestimmten Punkt, dann wird’s lahm. Die Hitze und die gut hörbaren ENDSTILLE von nebenan machen die Show nicht unterhaltsamer.

So schleicht man von Bühne zu Bühne und versucht bei der unmenschlichen Hitze Herr seiner Sinne zu bleiben. Auf dem Weg über den Platz halte ich noch kurz bei ENDSTILLE inne die sich zur Verstärkung Grave Violator (ex-Sodom) auf die Bühne holten. Naja, Mittelmaß.

HEAVEN SHALL BURN

Was für eine ungeheure Macht doch diese Band ist! Immer wieder aufs Neue bin ich von ihrer Show und ihrem Umgang mit den Fans begeistert. Musikalisch eher nicht so mein Ding, möchte ich keinen ihrer Auftritte verpassen, wenn es mir möglich ist einen mitzuerleben. Hier ist nicht nur die Band in Bewegung sondern auch 2/3 des Publikums bewegen sich nach Anweisung von Sänger Marcus über den Platz und werden so zu seinen fast schon willenlosen Marionetten. Nachdem es wohl bei dem vergangenen Wacken Auftritt etwas Unruhe hinter den Kulissen gab, forderte Marcus dieses Jahr das Publikum nicht direkt auf um den Soundturm zu tanze, jedoch wäre diese Ansage auch nicht nötig gewesen. Die besagten 2/3 fingen nun an kontinuierlich um den Turm zu wandern und boten ein sehr angenehmes und beeindruckendes Schauspiel. Kein HEAVEN SHALL BURN Auftritt ohne „Black Tears“! Dieses Mal gibt es sogar noch einen extra Bonbon, niemand anderes als Dan Swanö betritt die Bühne um mit HEAVEN SHALL BURN den Edge Of Sanity Song zum Besten zu geben. Neben „Black Tears“ gibt es noch „Valhalla“ von Blind Guardian als musikalischen Leckerbissen für mich.

BLACK STAR RAIDERS

Die BLACK STAR RAIDERS, vielen bekannt als Thin Lizzy, bekommen einen für ihre Verhältnisse recht ungünstigen Slot. Nachmittags im Zelt zu spielen ist für eine Band mit dem Background sicher keine große Ehre. Der Band macht es sichtlich nichts aus und so haben sie ihren Spaß auf der Bühne und mit dem Publikum.

ONKEL TOM

Um sich die Zeit zur nächsten Band zu vertreiben, begebe ich mich ins Zelt und möchte bei Bier und guter Stimmung ONKEL TOM beobachten. Der alten Zeiten wegen. Leider zwingt mich besagter Onkel und seine Band das Zelt nach 10 Minuten zu verlassen. Abgesehen davon, dass Angelripper und sein ONKEL TOM Projekt jeglichen Zauber verloren hat, ist der Sound, wie auch sonst im Zelt, unsagbar scheiße und von Freude und guter Stimmung auf der Bühne nichts zu merken. Zudem sind die Instrumente so leise, dass nur der grummelige „Gesang“ von Angelripper zu hören ist. Raus aus dem Zelt und rein ins Gedrängel zum Infield, mal sehen was mich da erwartet.

Richtig genießen kann man den Gang über das Infield erst wieder am Abend.

Der eigentliche Plan MOTÖRHEAD zu gucken und ab und an zwischen ihnen und CARCASS zu wechseln fällt leider ins Wasser. Lemmy macht eine so schlechte Figur auf der Bühne, so dass es einem Leid tut den Mann zu sehen. Die Ansagen röchelt er nur noch vor sich hin und auch die Songs werden etwas gedrosselt, zum Wohle von Lemmy. Ich bin ein großer Fan der Band und habe mich immer gefreut, wenn ich sie live sehen durfte, diese Freude ist heute in Trauer umgeschlagen und ich habe für mich beschlossen, nie wieder MOTÖRHEAD live! Da behalte ich sie doch lieber in guter Erinnerung mit Kraft und Feuer im Arsch, als mir dieses Trauerspiel zu geben.

Also ab zu CARCASS! Schwupp, da ist die gute Laune wieder…

Die Briten legen ein astreines Brett hin und freuen sich sichtlich hier zu sein und ihre neue Scheibe vorzustellen. Der Jeff entpuppt sich auch als richtige Schnattertante und wird es nicht müde über sich und den alternden Lemmy Späße zu machen und so zwischen den brachialen Songs für etwas Aufmunterung zu sorgen.

Der Freitag ging bei mir nicht lange da ich von heftigen Kopfschmerzen geplagt, früh zum Zelt zurück bin und es mir mit ausreichend Wasser im Campingstuhl bequem gemacht habe. Dadurch habe ich leider meinen Plan nicht erfüllen können und musste Bands wie KING DIAMOND und W.A.S.P. ausfallen lassen, was mir weh tut aber in diesem Moment schmerzte das Gebälk etwas döller.

SONNABEND

Heute ist ein schlechter Tag! Noch immer geplagt von Kopfweh und körperlicher Mattheit, ist mir schon am Morgen klar, dass ich heute nicht viel rumlaufen werde. Der Tag beginnt um 13.30 Uhr mit SODOM, jedoch hält mich nichts vor der Bühne bei dem Dreigestirn und so wandere ich über den Platz und mache mich schlau was die Buden so an Essen hergeben. BEHEMOTH und das DEWIN TOWNSEND PROJECT schaue ich mir noch nebenbei an aber es hält mich keine der Bands länger als 10 Minuten in der Hitze und die Bewegung Richtung Schatten ist zu verlockend.

J.B.O.

Eine wirklich herbe Enttäuschung sind dieses Jahr die rosaroten Erlanger. Wie bei Accept wirken die Showeinlagen sehr geübt und einstudiert. Der einstige Witz und die Lockerheit der Band ist nicht mehr zu spüren und die Witze wirken altbacken. Ja, ich möchte sogar behaupten, dass die Protagonisten etwas genervt waren und in ihrem Gig eher Arbeit sahen als den sonst so offen angepriesenen Spaß.

Während J.B.O. zeigen wie man es nicht macht mühen sich nebenan MEGADETH ab das Publikum zu unterhalten. Megadave sind mir aber zu egal, als das ich mich durch die Massen rüber quäle und so bleibe ich bei der, im wahrsten Sinne des Wortes, Lachnummer.

Nachdem das nun vorbei war, widmete ich mich wieder der Flüssigkeitszufuhr und dem abklappern der Marktstände.

Gegen halb Eins ist es dann soweit und die nächste interessante Band startet ihr Set. KREATOR spielen auf der Black Stage und sind wie immer mehr als gut besucht. Ja gut hier groß Worte zu verlieren ist sicher nicht nötig. Es ist voll, es ist laut, es ist gewaltig und es ist neblig. So neblig das man die schönen Bühnenaufbauten kaum sehen kann streckenweise.

Bevor die letzte interessante Band beginnt feuchte ich noch meine Kehle an und bewege mich dann zur True Metal Stage.

SCHANDMAUL

Zum Abschluss des Wochenendes gönne ich mir mal was Neues. SCHANDMAUL sind mir eher bekannt als „kenn ich von meiner Frau“ und nicht aus aktivem Hören. So gehe ich mir also das vorletzte Bier holen für das Wochenende und begebe mich vor die Bühne. Es sind gut und gerne noch 10.000 Leute da jedoch ist so viel Platz auf dem Feld, dass man ohne Probleme bis an die Bühne kommt und wieder zurück und wieder hin und wieder zurück, ohne eine andere Person zu berühren. Verrückt! Das habe ich das letzte Mal 1999 erlebt. Egal, kommen wir zu SCHANDMAUL. Abgesehen von der undankbaren Zeit, als Letzte (auf den großen Bühnen) am Sonnabend/Sonntag um 2 Uhr morgens, haben SCHANDMAUL es doch ganz gut getroffen. Die grölende Partymeute ist schon im Zelt und schläft ihren Rausch aus die, die noch vor der Bühne ausharren geht es echt um die Band. Der Sound ist wirklich gut und die Band ist dankbar für das zahlreiche Erscheinen zu dieser Stunde und gibt ihr Bestes. Dieses Beste spiegelt sich in weit über einer Stunde Spielzeit wieder mit alten und neuen Liedern der Gruppe und ist ein sehr gelungener Ausklang nach diesem heißen und anstrengenden Wochenende.

Auf dem Weg zum Zelt belästige ich noch die Promillepolizei um meine Fahrtüchtigkeit für den nächsten Morgen zu testen und siehe da, es ist noch Platz für ein Abschlusspils welches ich leider alleine und in absoluter Einsamkeit unter dem Pavillon zu mir nehme da der Rest schon in den Federn liegt und pennt.

Der Sonntag geht natürlich für die Heimreise drauf und lässt Zeit für viele Diskussionen und Gespräche im Auto. Welche Band war gut, welche schlecht? Warum? Wieso? Weshalb? Alle sind sich einig, dass das diesjährige Wacken Open Air nun wirklich nicht der Hammer war den man erwartete. Ein W:O:A der Mittelklasse und einer Jubiläums Geburtstagsveranstaltung nicht würdig. Gespickt mit kleinen persönlichen Höhepunkten aber auch einigen Enttäuschungen möchte man dieses Jahr lieber vergessen. Nächstes Jahr hingegen ist das Billing jetzt schon mehr als viel versprechend. Bestätigt sind unter anderem schon RUNNING WILD, SAVATAGE, AMORPHIS, IN FLAMES, CANNIBAL CORPSE und SEPULTURA.

Bands die am Rande gesehen wurden:

Megadeth, Kreator, Sodom, Behemoth, Apocalyptica, Dewin Townsend Project

 

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