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Gedanken zur Live-Szene...

 

 

Gibt es die vielbeschworene Szene überhaupt…???

An erster Stelle frage ich mich immer wieder, gibt es überhaupt noch die sogenannte Metalszene? Sicher, begibt man sich auf die großen Festivals, befindet man sich plötzlich unter tausenden von Gleichgesinnten. Und geben wir es zu, es ist immer wieder schön an diesen Großereignissen im Jahr teilnehmen zu können, unter Freunden und ein Teil dieser immer wieder beschworenen Familie zu sein.

Aber wie sieht es aus, wenn die Zelte abgebaut, die Isomatten aufgerollt und die Schlafsäcke und Pfandflaschen im Wagen verstaut wurden und nach langer oder auch kurzer Fahrt der Metalhead wieder sein Zu Hause erreicht hat?!

Spricht man mit vielen Anhängern der guten Musik, kommen immer wieder Argumente wie:” Nirgendwo ist etwas los, es gibt keine Metallocations, es gibt keine vernünftigen Konzertlocations…”Stimmt das alles wirklich?

Nein, dies stimmt definitiv nicht! Es gibt gute Metallocations und es gibt genügend Konzertlocations. Nur eines gibt es nicht, den Metalhead der diese aufsucht. Oder nur in geringer Zahl. Und plötzlich kommen ganz andere Argumente: ”Ach nein das ist mir zu weit entfernt, ach nein da muss ich ja auch einmal Fahrer sein, ach nein das kostet mir zu viel…!”

Fangen wir einfach einmal mit dem Punkt Konzertlocations an. Ja es gibt sie. In allen Größen. Und dort findet jeder Metalhead die Musik, die er für ein entspanntes Wochenende braucht. In jedem preislichen Niveau. Viele kleinere Locations laden Bands ein, welche aus dem Bereich “Underground” kommen. Der Eintritt ist hier moderat. Kann man doch einen netten Abend mit Gleichgesinnten verleben für den Obolus von 5€. Sollte man meinen. Aber die Locations sind leer. An den meisten Abenden sind nicht mehr als 20 Zuhörer vor Ort; und die letzte Band spielt zum größten Teil dann nur noch vor zwei bis fünf Metalheadz. Traurig aber wahr und leider die Realität. Und die Argumente der Szene? “ Ach nein, die Bands kenne ich nicht. Fünf oder zehn Euro Eintritt, das ist mir zu teuer.”

Stellen wir doch Einfachheit halber einmal eine Rechnung auf. Wenn eine Band anreist dann macht sie dies nicht umsonst. Hier fallen für den Veranstalter die ersten Kosten an. Dazu kommt dann noch Verpflegung für die Bands, Übernachtungskosten, Kosten für Technik und Kosten für das Personal hinter der Theke. So kommen schnell Summen von 1000 – 2000€ zusammen. Gerade in dem Fall, wenn dem Besucher für fünf Euro Eintritt gleich drei kleinere Bands geboten werden. Gute Tribute Bands liegen alleine schon in der Gage zwischen 1500 bis 2000€. Ist das Konzert vorbei hält die GEMA die Hände auf und zu guter Letzt die Künstlersozialkasse, die zum Jahresende abrechnet. Die Einnahmen aus einem solchen Abend decken dann nicht einmal mehr die Ausgaben.

Was ist das Resultat? Ich persönlich kenne viele Clubbesitzer, die gar keine Newcomer Bands mehr einladen, oder sogar keine kleinen Konzerte mehr veranstalten.

Okay, nehmen wir das mal so hin. Super, dann sollte es ja bei Konzerten mit namhaften großen Bands anders aussehen. Gut, zugegeben, hier ist dann auch schon Schluss mit 5€ Eintritt. Aber der geneigte Fan wünscht sich ja die großen Künstler vor Ort. Nur leider hat die Sache wieder einen Haken. Hier geht der Fan dann gerne für 5€ hin. 25€? Nein, das ist zu teuer. Rechnen wir erneut. Hier liegen die Kosten für den Veranstalter, je nach Band, mit allen Nebenkosten bei bis zu 10.000€ und mehr. Und Fakt ist es, das die großen Bands der Szene mittlerweile lieber in Locations spielen die 700 Fans fassen, als in Locations für 3000 Leute. Denn oftmals ist dort nur der Bereich vor der Bühne gefüllt. Der geneigte Leser möchte nun einmal nachdenken.

Kommen wir zum nächsten Punkt, den Metallocations. Genau, auch diese gibt es. Nur was ist eine gute Location, wenn die Besucher fehlen. Gerade in der Kleinstadt oder im ländlichen Bereich. Sicherlich ist man häufig auf das Auto angewiesen, wo wieder das Argument folgt: „Dann bin ich auch einmal Fahrer“. Gehe ich einmal einige Jahre zurück, so war das in Hannover auch nicht anders. Da man ja nicht den ganzen Abend in einer Location verweilen wollte und Wege mit Bus und Bahn umständlich und zu lange waren. Was haben wir gemacht? Das Auto genommen. Leider muss man dazu sagen, dass sich auch in Hannover die Zeiten geändert haben. Die alten Metallocations gibt es nicht mehr. Die Szene blieb aus. Das Resultat war die Schließung. Hier kommt für die Betreiber erschwerend hinzu, dass sie von den Erlösen leben müssen.

Ich selber betreibe eine Metal und Konzertlocation. Und ich weiß wovon ich rede. Nur gibt es einen kleinen Unterschied zu anderen Betreibern. Ich brauche die Einnahmen nicht zum Leben, da ich einen Beruf nebenbei ausübe. Und ich kann mir sagen, ist der Abend lau, bleiben die Gäste aus, dann schließe ich an diesem Abend und verbringe die restliche Zeit auf dem Sofa vor dem Kamin. Diese Möglichkeit haben andere Betreiber nicht. Und warum gibt es meinen Metalpub? Weil die Szene bei uns sich beklagt hat, man hätte ja keine Treffmöglichkeit, in der die Musik gespielt wird die man propagiert. Und wo ist die Szene? Richtig; sie kommt nicht. Die Begründung: 10 min zu fahren das ist uns zu viel. Gute Stammgäste können dies aber. Sie kommen regelmäßig 25 km gefahren mit wechselnden Fahrern. Es geht also doch. Nur leider sind das die Ausnahmen. Wer seine Treffpunkte erhalten will, der muss sie aufsuchen. Argumente wie: ”Da ist ja eh nichts los” sind fehl am Platz, denn es wäre was los, wenn die Szene ihre Locations pflegen würde.

Kürzlich ist mir auf Facebook ein Artikel in die Hände gefallen. Da beklagte sich der Schreiber darüber, dass die großen Konzertlocations in seiner Stadt geschlossen haben. Man erging sich in der guten alten Zeit, in denen Bands wie Grave Digger z.B in seiner Stadt zu Gast waren und das Konzerte dieser Qualität nun nicht mehr stattfinden würden. Als im Jahr 2014 Grave Digger bei uns in der Location aufgetreten sind war von all diesen Leuten so gut wie niemand anwesend. Oh ich vergas, man hätte 15 Minuten mit dem Auto fahren müssen. Es macht sicherlich Sinn, 50 Minuten durch eine Großstadt zu kurven, als 15 Minuten zum nächsten Konzert zu fahren.

Der Leser mag eine gewisse Ironie und Bissigkeit entschuldigen. Aber hier zeigt sich, dass die Metalszene bequem geworden ist. Man erwartet viel für wenig Geld, oder sitzt daheim und ergeht sich in YouTube oder der Playstation. Nur wenn jeder einmal nachdenkt, so wird er erkennen das sich so auf Kurz oder Lang immer mehr Metal und Livelocations verabschieden werden. Und am Ende bleibt dann nur noch das so hoch gerühmte Feeling der Metalfamilie auf den großen Festivals, welches nach drei gemeinsamen Tagen bis zum kommenden Jahr wieder eingemottet wird.

Ich kann nur an die Szene, sofern es sie noch gibt appellieren, besucht eure Metalkneipen, schnappt euch eure Freunde und besucht auch mal die kleinen Konzerte. Gebt den Newcomer Bands die Anerkennung die sie verdienen! Denn auch dieser Nachwuchs ist für den Erhalt der großen Festivals wichtig, denn auf Kurz oder Lang werden die jetzt aktiven Großen der Musikszene sicher abtreten. Und dann stehen dort die Bands die keiner sehen will, weil man sie nicht kennt…

Mein Fazit, welches ich über etliche Jahre als Booker und Veranstalter in Städten wie zum Beispiel Hannover diesbezüglich ziehen muss, ist düster.

Ich hoffe, dass ein Ruck durch die Metalszene geht und sich Vieles wieder ändert.

In diesem Sinne keep metal alive!!

Wie war es bei(m)...

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